Beten hilft uns, glücklich zu sein oder zu werden.

Pilgrim in front of Jokhang Temple, Lhasa Tibet, Fotograf Dominic Lüdin
Pilgrim in front of Jokhang Temple, Lhasa Tibet, Fotograf Dominic Lüdin

"Beten bedeutet, mit Gott zu sprechen", meinte ein Pfarrer.

"Das ist schade", dachte ich damals, "denn was tue ich, wenn ich an Gott nicht glaube?"


Da mich der Buddhismus fasziniert, bin ich der Frage nachgegangen, ob man auch ohne Gott beten kann.


Was ist beten?

Ich stelle mir Menschen vor, die mit gefalteten Händen und geneigtem Kopf stehen, knien oder sitzen und beten.

 

Sie tun es zum Beispiel vor den Mahlzeiten und danken dem lieben Gott für das Essen, die Ernte, bitten um seinen Segen und so weiter.


Wenn es ihnen schlecht geht, bitten sie Gott um Hilfe.


Und wenn Ärzte einem Kranken nicht weiter helfen können, beten sie zu Gott, weil letztendlich alles in seinen Händen liegt.

 

Oftmals werden sie sich auch "nur" bedanken, ohne zu bitten.

 

Ich denke, dass Menschen ihrem Gott die gesamten Anliegen anvertrauen und mit ihm reden, wie mit einem Freund. 

 

Es ist ein Gespräch, indem man zwar keine Antworten erhält, aber es befreit das Herz.


Allerdings wird man Antworten finden, bedingt durch die Tatsache, dass man sich mit der Sache auseinandergesetzt hat.


Durch das Beten formuliert man seine tiefsten Wünsche, es tut gut und man spürt Vertrauen, weil, so glaube ich, viele Menschen meinen, Gott wird es schon richten.


Schließlich geschieht sowieso alles nach seinem Willen. 


Warum beten?

Ich schreibe hier über das Beten, als wenn es das Natürlichste der Welt ist.


Das wird es für viele auch sein, wobei ich wenige Menschen kenne, die beten. 

 

John Pritchard, anglikanischer Bischof von Jartow in Nordengland, erläutert in seinem Buch "beten lernen", dass die Menschen mehr beten, als sie zugeben und dass sie spirituelle Wesen sind.


Er sagt, dass alle einen unauslöschlichen Instinkt zum Beten besitzen, den andere spirituelle Formen nicht befriedigen können.


Wie beten?

Ein Pfarrer meinte:

»Die Psalmen sind gut zum Beten geeignet.

Sie sind authentisch vor Gott.


In den Psalmen stehen einfache Worte. Es geht in ihnen nicht um die korrekte Sprache, sondern dort gestehen Menschen ihre Not ein und schreien sie heraus.


Durch das Schreien erleichtern sie sich, der enorme Druck lässt nach. Sie geben es an Gott weiter.


Es ist im Grunde ein Schrei nach Leben; ein Lebensschrei.


Schreien Sie, lassen Sie alles aus sich heraus! Es wird Gottes Herz erreichen.


Ich zum Beispiel gehe gern in die Natur. Dorthin, wo mich niemand stört.


Ich rede leise vor mich hin. Auch mal lauter, denn ich diskutiere mit ihm. Er ist ja immer da, ich bin nie allein. ...


Und ich kann Ihnen sagen, wir haben schon so manchen Disput ausgetragen und danach war für mich alles viel klarer. Meine Gedanken hatten sich beruhigt.«

 

Menschen beten verschieden.

Laut, leise oder still im Innersten.


Einer spricht, einer liest, einer singt und so weiter.


Es gibt verschiedene Möglichkeiten zu Beten und auch die unterschiedlichsten Orte, wo es getan wird. 



Das Gespräch mit Gott beginnen und vertiefen

John Pritchard, der Autor des Buches »beten lernen« - Das Gespräch mit Gott beginnen und vertiefen, schreibt:

 

»O Herr, gedenke nicht nur der Männer und Frauen guten Willens,

sondern auch aller Menschen bösen Willens.


Aber gedenke nicht nur der Schmerzen und Leiden,

die sie uns zugefügt haben,

sondern auch der Früchte, die wir dank dieser Leiden

erkauft haben,

unsere Kameradschaft, Loyalität, Demut, Mut, Großmut,

die Größe des Herzens, die daraus erwachsen ist.


Und wenn sie vor dem Richterstuhl stehen, dann lass die Früchte, die in uns gewachsen sind, ihre Vergebung sein.

Amen, amen, amen.«

 

Ich sitze da und bin tief berührt, denn jetzt schreibt er:

 »Gefunden auf einem Stück Einwickelpapier in der Nähe einer Kinderleiche in Ravensbrück, wo 92.000 Frauen und Kinder starben.« 

 


Und wie ist es nun im Buddhismus?

Buddhisten können nicht beten

Die Tatsache, dass es im Buddhismus keinen Gott gibt und dass Buddha ein Mensch war wie wir, verhindert also, dass Buddhisten beten?


Das wäre furchtbar. Ein Leben ohne beten ...  

 

Aber wie betet man ohne Gott?

 

 

 

 

Wie betet man ohne Gott?

Im tibetischen Buddhismus betet man weniger irgend jemand an.


Der Buddhismus ist eine Lehre und Buddha ein Mensch.


Es geht darum, seine Einsichten zu verstehen.


Mit dem Gebet will man die eigene Praxis stärken. Man will sich zum Beispiel im Mitgefühl üben. 

 

Beispiel für Krisen und Katastrophen:

In den Gebeten richtet man seine Aufmerksamkeit besonders auf Menschen, die gestorben sind oder Verletzungen erlitten haben und auch auf deren Angehörige. 

 

Der bekannte Meditationslehrer Sogyal Rinpoche rief beispielsweise nach der Verwüstung 2011 in Japan auf:


"Betet, dass es keine tödlichen Nachbeben geben wird, dass keine radioaktive Strahlung aus den Atomkraftwerken austritt, dass es keine weiteren Todesfälle mehr geben wird und dass die Rettungs- und Bergungsarbeiten ohne Hindernisse von statten gehen.

 

Bitte denkt auch daran, dass viele Menschen ihr Zuhause und ihre Existenzgrundlage verloren haben; betet also bitte auch für ihr Wohlergehen und ihre Sicherheit.

 

Seine Heiligkeit der Dalai Lama hat den japanischen Buddhisten empfohlen, für alle, die ihr Leben verloren haben, und zur Vermeidung zukünftiger Katastrophen das Herzsutra zu rezitieren und hat veranlasst, dass das Herzsutra in Dharamsala 100.000 Mal zu diesem Zweck rezitiert wird.

 

Und His Holiness the Gyalwang Karmapa hat betont, dass das gemeinsame Gebet für alle, die diese Naturkatastrophe erlitten haben, ein Weg ist, um Wesen zu nutzen."

 

Buddhisten beten für andere.


Sie beten zum Beispiel für die Lehrer, die ihnen Buddhas Wissen näher bringen.


Sie beten für das Wohl anderer.


Es gibt eine interessante Anleitung von dem buddhistischen Meditationsmeister Sogyal Rinpoche, die ich im nächsten Beitrag erläutern werde und die ich übe.


Sie ist für alle Menschen unabhängig ihrer Religion geeignet.


Beten hilft immer

Fakt ist, dass Menschen vieler Religionen beten.


Es geht dabei um Bitten und um Dank.

Menschen suchen Hilfe, suchen jemanden zum Reden, wollen nicht allein sein. 

 

Die Probleme, die wir Menschen haben, unterscheiden sich zwar, aber grundsätzlich geht es ums Überleben.


Ob es nun Gott ist, der uns hilft oder das "Etwas", was uns stärkt und beschützt, spielt insofern keine Rolle, da wir das Leben sowieso irgendwie meistern müssen und letztendlich wollen.


BETEN wir also, genau so, wie es zu uns passt. 

 

Das allerwichtigste ist aber, dass es aus ganzem Herzen geschieht. Nur dann kann es seine ganze Kraft entfalten und uns und anderen wirklich helfen.

 

Beten befreit mich, verleiht mir Flügel und macht mich glücklich.

 

Versuchen Sie es! Sie werden erstaunt sein, was es in Ihnen auslöst.