Mit den Augen der Buddhisten sehen

Es steht geschrieben, dass sich Trijang Rinpoche während »der Unterweisungen« Notizen machte und diese in den nächsten siebenunddreißig Jahren in Form brachte.


Auf tibetisch wurde dann das Buch »Befreiung in unseren Händen« veröffentlicht. 

Auch das macht die Größe des Buches aus, denn wer nimmt sich heutzutage die Zeit und überarbeitet derart intensiv sein Werk, oder?

Bedenken muss man ebenfalls, dass es in aufopferungsvoller Art und Weise in verschiedene Sprachen übersetzt wurde, was hundertprozentig ein schwieriges und mühsames Unterfangen war.

Die deutsche Übersetzung ist ein Projekt des Aryatara Institut e.V. München. Es ist ein buddhistisches Zentrum der Gelug-Schule, unter der Leitung von Lama Zopa Rinpoche. 

 

Im Buch steht:

»Eine tiefgründige, meisterhafte Unterweisung,

die uns die Befreiung in unsere Hände gibt.

Der Kern des Geistesguts

des unvergleichlichen Dharmakönigs Tsongkhapa;

die Niederschrift einer knappen Unterweisung über

die Stufen auf dem Pfad zum Erwachen,

der wesentliche Gehalt aller Schriften,

die Essenz des Nektars der Unterweisungen.«

 

Ehrfürchtig sprechen die Schüler über ihre Lehrer, die Gurus.

»... Alles, was du sagtest, war Medizin, 

Die Hunderte von Krankheiten vertreiben konnte;

Wir mit unseren kindlichen Gemütern

waren ungeeignete Gefäße

Für solch einen weiten Ozean von Lehren,

Eine so kostbare Quelle guter Eigenschaften.

Wie traurig wäre es, wenn diese Lehren

in Vergessenheit gerieten!

Hier habe ich zumindest einige davon festgehalten.«

 

Da ich selbst ab und zu in einem buddhistischen Zentrum an Lamrim-Unterweisungen teilnehme, kann ich ganz bescheiden nachempfinden, was er meint. Jedes Wort, gesprochen auch von tibetischen Lehrern, macht mich lebendig - hinterlässt in mir ein gutes, warmes Gefühl.

Ich kann dann mit ihren Augen sehen und das ist etwas ganz Besonderes.

Und so ist es für mich auch nicht mehr verwunderlich, dass in »Befreiung« über die Unterweisungen geschrieben steht:

»... verständlich für Anfänger ...«

»... auf Menschen mit unterschiedlichster Auffassungsgabe zugeschnitten.«

»... sehr wohltuend für den Geist ... inspirierend«

Und ich wundere mich auch nicht, dass geschrieben steht: »Manchmal brachte er uns zum Lachen, was uns hellwach und lebendig werden ließ.«

Genauso erlebe viele Unterweisungen. 

 

Wenn ich anfange, mich mit den ersten Worten der buddhistischen Literatur auseinanderzusetzen, öffnet es etwas in mir. Es ist so, als wenn ich das gesamte Leben mit anderen Augen sehen kann. 

Dinge, die mich gerade schwer beschäftigen, verlieren an Intensität, treten in ihrer Wichtigkeit zurück.

 

Leider hält es momentan nicht für Stunden, geschweige denn einen ganzen Tag an.

Ich muss mir die Gedanken bewusst zurückrufen. Wenn ich es aber tue, dann wirkt es. Dann bekomme ich auch Abstand zu den Dingen, die mich gerade beschäftigen, und verändere tatsächlich in dem Moment mein Denken. 

 

Ich bin davon überzeugt, dass es ein langjähriger Prozess sein wird, der in mir ein automatisches Umdenken erzeugt.

Ich bin aber auch davon überzeugt, dass es lohnenswert ist, sich intensiv mit den buddhistischen Lehren zu beschäftigen.

 

Zitate aus »Befreiung in unseren Händen«, Bd. 1, Diamant Verlag, 1. Auflage 1999

 

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