Buddhismus und Wiedergeburt

Buddhist Monk; Fotograf Guyon Morée
Buddhist Monk; Fotograf Guyon Morée


Da ich nicht - jedenfalls momentan noch nicht - an Wiedergeburt glauben kann, ist meine Motivation den Buddha-Dharma** zu lernen und zu praktizieren eine etwas andere; zumindest in Bezug auf die Menschen, die daran glauben.


Doch wenn man sich mit den buddhistischen Lehren auseinandersetzt und die Lamrim-Unterweisungen verstehen möchte, wird man immer wieder mit der Thematik der Wiedergeburt konfrontiert. 


Wie Buddha denken

Für viele von uns wäre das Leben leichter, wenn wir wie Buddha denken könnten.

Ich spüre, dass es hinsichtlich der Wiedergeburten besonders gut für uns wäre.


Daran zu glauben und danach zu streben verändert jeden Menschen; davon bin ich überzeugt.



Was macht einen Menschen aus?

 

In »Befreiung in unseren Händen« steht: 

»Nun, da wir diese kostbare körperliche Form gefunden haben [menschliche Existenz, Anmerkung des Autors], sollten wir nicht nur nach den oberflächlichen Vergnügungen dieses Lebens streben.


Wir sollten uns auch nicht völlig davon in Anspruch nehmen lassen, unsere Feinde zu besiegen, den uns nahe stehenden Menschen zu helfen und dergleichen, denn das sind Dinge, die selbst die Tiere beherrschen.


Wenn wir uns in der verbleibenden Zeit nicht der Dharma-Praxis widmen - was uns in künftigen Leben mit Sicherheit von Nutzen sein wird und uns von den Tieren unterscheidet - wird es äußerst schwer für uns, nochmals solch eine Wiedergeburt zu erlangen.


Aus diesem Grund müssen wir uns jetzt, da wir sie einmal besitzen, ernsthaft bemühen.«

* S.95



Nach mir die Sinnflut

Mit der Motivation - alles zu tun für eine gute Wiedergeburt - sieht einiges ganz anders aus.

 

Den Meisten von uns aber fehlt diese Motivation.

 

Viele denken: ... nach mir die Sintflut ...

 

Wir leben ungefähr 90 Jahre. Einer länger und einer kürzer; das ist unser Schicksal. 

 

Warum sollten wir uns Gedanken darüber machen, was danach kommt. Manche besinnen sich noch an das Leben ihrer Kinder und Enkel, aber dann ist bei den meisten Menschen Schluss. 

Was kommt nach dem Tod?

Ich weiß, dass viele Menschen an ein Leben nach dem Tod - ein Leben im Himmel - glauben.

 

Vor Kurzem habe ich folgendes erlebt:

Ein kleines Mädchen stand auf dem Friedhof am Grab seiner Urgroßmutter. Es hielt die Hand seiner Oma und beide schauten zum Himmel. Dann sangen sie ein Lied und lachten. 

Anschließend verließen sie gut gelaunt die Ruhestätte. 

 

Ich war bei dem Anblick sehr gerührt und kam am Ausgang mit ihnen ins Gespräch. Die Kleine erzählte mir strahlend, dass sie sich vorgestellt hätten, wie die Oma im Himmel Party mit all denen feiert, die dort schon vereint sind. 



Denken wie Buddha


Die Vorstellung an ein Leben nach dem Tod oder an eine Wiedergeburt finde ich angenehm.

Es nimmt mir Angst und macht den Tod wärmer. 

 

Die wahren Anhänger des Buddhismus denken langfristig; finden es wichtig, Verdienste anzusammeln, damit sie immer wieder eine gute Wiedergeburt haben. Für sie hat das oberste Priorität. 

 

Ein Buddhist sammelt also Verdienste und praktiziert den Buddha-Dharma**.

 

In unserer Welt könnten wir sagen: Ich vollbringe eine gute Tat und gebe alles, um ein guter Mensch zu sein.

Wenn ich so bereits denke, dann lohnt sich auch die Bekanntschaft mit dem Buddhismus.

 

Und vielleicht glauben eines Tages alle Menschen an Wiedergeburt ... 


und denken langfristig ...

 

... was für ein wunderschöner Traum, denn dann hätten wir Frieden auf der ganzen Welt.

 


* Zitate aus »Befreiung in unseren Händen«, Pabongka Rinpoche, Bd. 1, Diamant Verlag, 1. Auflage 1999

 

** Dharma ist hier im Sinne der Lehren des Buddha gemeint.