Vergebungs-Meditation bringt Glück

Spirit of Meditation; Fotograf Hartwig HKD
Spirit of Meditation; Fotograf Hartwig HKD

 

Warum bin ich mies drauf und was kann ich dagegen tun?

 Jack Kornfield, ein außergewöhnlicher Meditationslehrer, schlägt uns die Vergebungs-Meditation vor. Ich habe sie getestet und bin zu einer faszinierenden Erkenntnis gekommen.

 


Auf der Suche nach dem Glück

Auf der Suche nach dem Glück bin ich auch über meine eigene Wut, meinen Hass, meine Aggressionen und Ängste gestolpert ...

 

An manchen Tagen habe ich gute Laune, an anderen schlechte. Jeder von uns kennt das und man nimmt es gewöhnlich hin und schwelgt in der jeweiligen Stimmung.

Wer ist schuld?

Im Laufe eines solchen Gemütszustandes habe ich gegrübelt, warum ich mies drauf bin.

 

Es kam mir in den Sinn, den Schuldigen für meine unangenehmen Gefühle zu suchen.

 

An negativen Tagen verbeiße ich mich regelrecht und wundere mich auch nicht, dass es mir zunehmend elender geht.

Es war jemand anders

Eins stand für mich fest: mein Chef, Kollege oder Partner war an meiner furchtbaren Laune schuld, da er mich unangemessen behandelt hat; vielleicht war es auch Mutter, Vater oder mein Kind.

 

Letztendlich war es egal, einer wird für meine Gefühle verantwortlich gemacht.



Meditation

Auf der Suche nach der guten Laune habe ich etwas faszinierendes herausgefunden, was ich heute unbedingt mit Ihnen teilen möchte. 

 

Ich habe mich mit der Meditation beschäftigt, einer uralten Kunst, die man meiner Meinung nach immer wieder erwähnen sollte. 

Meditation der Vergebung

Ich habe Jack Kornfields empfohlene unterschiedliche Übungen getestet und bin bei einer stehengeblieben.

Es ist die Vergebungs-Meditation, die ich seitdem täglich ausführe.

Bereits beim ersten Mal löste sie in mir ein ungeahntes und seltenes Gefühl aus.

 

Mein Herz weitete sich.

Ich bekam Gänsehaut.

Tränen der Rührung und ein Gefühl tiefer Liebe entstand.

 

Keine der ehemaligen Schuldzuweisungen waren in dem Moment wichtig, geschweige richtig. 

 

Ich spürte schmerzhaft, aber befreit, dass ich mich häufig verrannt hatte und fragte mich, warum das so war?

Ein Weg

Nach der Meditation waren meine Gedanken klar und ich fühlte mich gut.

 

Es hatte sich ein ungeahnter Weg geöffnet.  



Wie läuft die Vergebungs-Meditation ab?                       Jack Kornfield, ein außergewöhnlicher Meditationslehrer, schlägt uns folgendes vor:



Meditationshaltung einnehmen

»Nimm jetzt wieder deine Meditationshaltung ein. 

Setze dich aufrecht und bequem hin. Lass deine Augen langsam zufallen und entspanne dich. 


Der Atem

Richte dich in deinem Körper ein und spüre die Bewegung deines Atems wie eine Brise.

Dein Atem atmet sich selbst und du beobachtest ihn dabei.

 

Dein ganzes Sein ist in ständiger Wandlung und Bewegung. Wie ein Fluss der dahinfließt und dein Atem zeigt dir diesen Fluss, diese ständige unbeständige Bewegung. 

 

Lass deinen Atem leicht und natürlich fließen, ohne ihn zu beeinflussen und lass deine Aufmerksamkeit so empfindlich sein, dass sie auch noch die kleinste Bewegung deines Atems wahrnehmen kann. 

Spüre dein Herz

Und nun, in diesem Zustand von Ruhe und Sammlung, wollen wir eine traditionelle Meditationsübung machen, die sich mit Vergebung beschäftigt.

 

Vielleicht wirst du auf Anhieb mit dieser Übung zurechtkommen, vielleicht aber auch nicht. Dann sei nicht ungeduldig. Mit der Zeit wird es sich geben. 

 

Spüre den Atem in deinem Körper. Spüre dein Herz. Lass deinen Atem sanft sein und dein Herz weich. 



Bitte zuerst um Vergebung


Wenn ich jemand verletzt oder geschädigt habe, sei es mit Gedanken, mit Worten oder Taten, wissentlich oder unwissentlich, oder der einen oder anderen Weise habe ich das sicher getan, dann lasse ich jetzt zu, dass mein Verstand und mein Herz sich an diese Ereignisse erinnern und ich bitte dafür um Vergebung.


Du handelst nur aus zwei Gründen ungeschickt. Nämlich aus Angst oder aus Schmerz heraus.

Wir geraten in Verwirrung, merken es nicht und aus Schmerz und Angst heraus verletzen wir andere Menschen und dafür bitte ich um Vergebung. 


Und nun wende dich an dich selbst

 

Wir gehen oft sehr hart und unachtsam mit uns selbst um. Wenn wir uns vergeben, dann bauen wir die Mauern ab, die wir um unser Herz aufgerichtet haben. Wir nehmen uns selbst in unserem Herzen auf. 

 

Ich bitte um Vergebung, für all die Fälle, wo ich mir selbst geschadet oder weh getan habe - meinem Körper, meinem Herzen, meinem Gemüt, für all die Fälle, wo ich mich um dich, mein liebes Selbst nicht gekümmert habe. Aus Angst und Schmerz, aus Unwissenheit, Nachlässigkeit oder Unehrlichkeit. 

 

Ich bitte um Vergebung und ich vergebe mir selbst.


Lass in dein Bewusstsein die Bilder aufsteigen von dem, was nach Vergebung verlangt. Ereignisse oder Handlungen. 

Lass dein Herz so weich sein, wie es nur geht. Du verdienst es, dass man dir vergibt. Sei ganz offen.


Wende dich dem Kummer durch andere zu

Und als letztes nun, lass dir den Kummer oder die Wunden zu Bewusstsein kommen, die du durch andere Menschen erlitten hast.

 

Gewalt, Angriffe, Widerstände, all das, was dein Herz verhärtet hat.

Diese Menschen haben dich verletzt oder geschädigt, aus Furcht, Schmerz und Verwirrung heraus. Wissentlich oder unwissentlich, mit Worten oder Taten.

 

Und in dem Ausmaß, wie es dir jetzt möglich ist, vergib diesen Menschen. ... Ich vergebe euch.

 

Spüre die Stellen in deinem Herzen, wo du noch Groll hegst, wo du an alten Geschichten festhältst und berühre sie mit Güte und Vergebung und schau nach, ob es nicht Zeit ist, loszulassen.

 

In diesem Leben, in uns selbst, in anderen, in der Welt um uns herum, gibt es so vieles, das unsere Vergebung verlangt und unsere Barmherzigkeit und die Liebe unseres Herzens und die wollen wir jetzt immer deutlicher spüren und immer weiter ausdehnen.



In die Außenwelt zurückkehren

Und nun kannst du deine Aufmerksamkeit langsam wieder auf deine Umgebung richten. Achte auf die Geräusche und den Raum der dich umgibt, spüre die Luft auf deiner Haut und das Licht, das durch deine Augenlider schimmert. Und wenn du dazu bereit bist, öffne behutsam deine Augen und komme jetzt wieder ganz zurück in die Außenwelt.« * 


Welche Erkenntnisse habe ich gewonnen?

Tiefe Liebe und Vertrauen in die Menschen als Folge des Verzeihens zu erfahren, ist für mich eine erlösende Erfahrung. 

Der erhoffte innere Frieden und ein glückliches Leben rücken näher. 

Angestauter Hass, Wut und Aggressionen verlieren ihren Nährboden, wenn wir mithilfe der Meditation der Vergebung unser Denken ändern. 


* Aus: Jack Kornfield, "Meditation für Anfänger", Goldmann Verlag, 5. geführte Meditation.

Jack Kornfield wurde als buddhistischer Mönch in Südostasien ausgebildet. Er hat einen Doktortitel in klinischer Psychologie und lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in Nordkalifornien.

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