Leseprobe

Einführung

Ohne Respekt, Achtung und Vertrauen geht nichts – oder? „Du bist doch bloß schwanger und nicht krank“, zischt Christina, die Vorgesetzte von Susanne, ihre völlig verdatterte Mit-arbeiterin an. „Da denkt ihr jungen Dinger, ihr könnt nicht mehr arbeiten, und das nur, weil ein Baby unterwegs ist“, fuchtelt Christina wild mit den Armen herum. Susanne wollte lediglich das ärztliche Beschäftigungsverbot abgeben und die geplante Elternzeit besprechen. Was war geschehen?

 

Susanne war in der harten Realität angekommen. Es ist ganz einfach zu verstehen. Sie passte nicht mehr ins Bild ihres Arbeitgebers. Er hatte andere Pläne mit ihr, und nun war sie schwanger – und somit für diesen Betrieb unbrauchbar.

 

Durch mein Anraten blieb Susanne während Mutterschutz und Elternzeit im Kontakt mit dem Unternehmen. Es folgten mehrere Gespräche, in denen sich die Situation zu entspannen schien. Drei Tage vor Beschäftigungsbeginn – der `erste Geburtstag ihres Kindes nahte – teilte ihr die Chefin mit, dass sie wie abgesprochen zur Arbeit erscheinen könne. Erfreut fuhr sie am vereinbarten Tag zur Firma. Eine Stunde später erhielt ich folgenden Anruf: „Ich bin gekündigt, und wenn es mir nicht passt, soll ich klagen.“

 

Man begründete die Kündigung mit „betriebsbedingt“, obwohl jemand anderes eingestellt wurde. Wie Susanne sich wohl gefühlt hat? Bestimmt gehen Ihnen gerade ähnliche Gedanken durch den Kopf wie mir. Welche Firmenphilosophie wird dort gelebt? Mir ist bewusst, die Situation klingt drastisch. Leider hat sie sich so abgespielt.

1. Fortsetzung 

 

Ich bin Managerin in einem großen systemgastronomischen Unternehmen und für 40 Mitarbeiter verantwortlich. Zum größten Teil arbeiten dort Frauen. Auch meine Mädels wer-den schwanger. Jeder Mitarbeiter, der ausfällt, manchmal un-verhofft, ist für mich eine enorme Herausforderung. Wer mit Führungsaufgaben betraut ist, kennt das. Trotzdem sehe ich immer beide Seiten der Medaille: die des Arbeitgebers und die der Beschäftigten. Und haben wir nicht Kinder bitter nötig, schon deshalb, weil sie unsere Kunden und Gäste von morgen sind? Natürlich unterliegen wir alle dem notwendigen Erfolgs-druck, egal, wo wir arbeiten. Unsere Aufgabe ist es, Arbeitsplätze zu erhalten und Löhne zu zahlen. Keine Frage. Trotzdem möchte ich mich nicht hinter den Erwartungshaltungen des Unternehmens verstecken. Für mich als Führungskraft stehen Respekt, Achtung, Vertrauen und Verantwortung ganz oben. 

 

Hart und kalt – der Erfolgsfaktor?

 

Manchmal muss ich an ein Märchen aus meiner Kindheit denken. Kennen Sie vielleicht „Das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff? Schon damals lief mir beim Anschauen des Films eine Gänsehaut über den Rücken. Dort tauscht der Holländermichel die Herzen der Gierigen gegen Steinherzen aus. Im Gegenzug werden sie reich, aber gefühllos. Wie es endet, können Sie sich bestimmt denken.

2. Fortsetzung

 

In meinem Berufsleben bin ich vielen Menschen begegnet. Sowohl jenen, die von sich sagen: „Ich gehe für meine Ziele über Leichen“, als auch solchen, die hinter vorgehaltener Hand schüchtern nach dem richtigen Weg fragen. Darauf, welcher der richtige Weg ist, gibt es keine abschließende Antwort.
Ich habe ihn ebenfalls gesucht und in den ersten Jahren meiner Führungstätigkeit oft mit mir selbst gekämpft. Es quälten mich viele Fragen wie:

  • Führe ich meine Mitarbeiter optimal ?
  • Nutzen sie meine freundliche Art vielleicht aus?
  • Behandle ich alle gleich?

Ein Kollege sagte mir einmal: „Du bist nicht auf der Arbeit, um beliebt zu sein.“ Darüber habe ich lange gegrübelt. Anfangs wollte ich es jedem recht machen. Mittlerweile ist mir klar, dass dies unmöglich ist. Es ist also verdammt schwer, den sogenannten „richtigen“ Weg zu finden. Erschwerend kommen sicher berufsspezifische Faktoren hinzu. Denn viele von uns müssen täglich in einem Arbeitsumfeld bestehen, das hektisch und laut ist. 

Die Branche, in der ich arbeite, verlangt einem alles ab. In der Systemgastronomie erwartet der Gast in kürzester Zeit ein frisches Produkt in einem sauberen und gepflegten Umfeld. Ihm zusätzlich ein angenehmes Gefühl zu vermitteln, ist dabei die Kunst. Konzentrationsfähig, flexibel, stressresistent und extrem einsatzbereit muss ein Mitarbeiter sein. Er sollte zügig, aufmerksam und vor allem freundlich arbeiten. Nur dann kann ich meinem Anspruch gerecht werden: jederzeit einen zufriedenen Gast zu verabschieden, der uns gern wiederbeehrt. Die Erkenntnisse und Erfahrungen, die ich hier erlangt habe, sind aber auch für viele verwandte und andere Branchen und Unternehmen von Bedeutung. Wenn im Berufsalltag wieder einmal alles drunter und drüber geht, ist es gut zu verstehen, wenn die Nerven blank liegen. Immer freundlich und besonnen zu bleiben ist schwer. Auch mir ist es schon passiert, dass ich in einem besonders schwierigen Moment meine Mitarbeiterin unwirsch ermahnte. Ich hatte das schnell vergessen, sie aber nicht. Denn am nächsten Tag kam sie schüchtern zu mir, weil es ihr keine Ruhe ließ. Meine unüberlegten Worte taten mir im Nachhinein leid. Ich hätte bewusster reagieren müssen. 

 

3. Fortsetzung

 

Inzwischen habe ich viel gelernt und auch Lehrgeld bezahlt. Zum Glück kam eines Tages der Moment, in dem ich wusste, was zu tun war und worauf ich unbedingt achten wollte. Es war mir wichtig, immer in den Spiegel schauen zu können und zu wissen, dass ich selbst geblieben bin. Ich wollte vor allem menschliche, ethische Werte zur Grundlage meiner Arbeit machen. Dafür erarbeitete ich mir eine Strategie, die eine erfolgreiche menschliche Führung zulässt. Sicher klingt es grotesk, wenn ich jetzt sage: Dazu brauche ich Macht. Die Macht eines Chefs. Ich nutze sie, um richtungsweisend zu agieren. Denn nur durch diese Macht bin ich imstande, mich als Geschäftsfrau auch für ein entspanntes Arbeitsklima und einen respektvollen Umgang einzusetzen.

 

„Du bist nicht auf der Arbeit, um beliebt zu sein!“ soll auf mich nicht zutreffen (auch wenn es hin und wieder vorkommen kann, dass man es jemandem einmal nicht recht machen kann). Deshalb höre ich meinen Mitarbeitern zu und ermuntere sie. Wenn sie mir vertrauensvoll auch Persönliches erzählen, macht mich das stolz.

 

Es gehört für mich manchmal sogar dazu, sie einfach in den Arm zu nehmen und zu trösten. Ohne diese Motivation wären viele Situationen unnötig eskaliert. Ich sehe es als die Chance, erfolgreich zu sein.

Es fiel mir schwer, meinen Weg zu finden. Darum kann ich mir vorstellen, dass es anderen ähnlich geht. Jede angehende Führungskraft steht früher oder später auch vor Fragen der Mitarbeiterführung. Immer wieder beobachte ich junge Kollegen und Kolleginnen, die bald nach ihrer Ausbildung oder ihrem Studium mit Führungsaufgaben betraut werden. Oder Quereinsteiger, die gleich ins kalte Wasser geworfen werden. Fachwissen ist noch lange nicht alles, viele sind einfach nicht vorbereitet auf das, was nun auf sie zukommt.

 

In jeder Branche gibt es Menschen, die eine gehörige Portion Wissen, Herz und Verstand sowie Diplomatie und Einfühlungsvermögen besitzen. Bei uns im Unternehmen sagt man über sie: Die haben „Ketchup im Blut“. Ebenso habe ich schon von Menschen mit „Benzin im Blut“ oder der „Bühnensau“ gehört. Egal, was die jeweilige Branche für Titel vergibt, Fakt ist, überall bezeichnet man damit Menschen, die das besondere Etwas haben. Wenn bei Ihnen noch einiges fehlt, um auch zu den Spitzenleuten zu gehören, dann tun Sie etwas dafür. Lernen und trainieren Sie, um solch ein Mensch und eine ganz besondere Führungskraft zu werden.

 

 

4. Fortsetzung

 

Um andere an meinen Erfahrungen teilhaben zu lassen, entschloss ich mich, dieses Buch zu schreiben. Es soll Antworten auf die vielfältigen Fragen von jungen Führungskräften geben und meine Strategie als eine mögliche anbieten. Aber auch einzelne Bausteine aus meinem Buch können Ihnen helfen, sich Ihre eigene Strategie – Ihren eigenen Weg – zu erschließen.

 

Sie brauchen nicht zu glauben, bei mir liefe immer alles glatt. Ganz bestimmt nicht immer, aber doch immer öfter. Damit ich mir treu bleibe, habe ich mir ein Motto auf die Fahnen geschrieben:

 

„Menschliche Werte achten – erfolgreich führen.“

 

Es soll mich davor bewahren, meine Ideale zu verraten.

 

Für wen ist dieses Buch geschrieben und worum geht es?

Das Buch ist vor allem für junge und angehende Führungspersonen des mittleren Managements gedacht. Ich wechsele zwischen der weiblichen und der männlichen Ansprache, meine aber stets beide Geschlechter. Meistens gehe ich davon aus, dass Sie angestellt sind, aber auch als selbstständiger Unternehmensführer finden Sie wertvolle Hinweise und Anregungen. Ich biete situationsgerechte Gedankenansätze und Fallbeispiele.

 

Außerdem erkläre ich, welches Rüstzeug man braucht, um langfristig erfolgreich und ein guter Boss zu sein. In unserem Job müssen wir immer bereit und stets als Ansprechpartner für alle Belange da sein, das ist in jedem Unternehmen so.Da stellen sich, nicht nur jungen, sondern auch gestandenen Führungskräften, egal welcher Branche, Fragen: 

 

  • Wie bleibe ich ruhig, besonnen und handele trotzdem effektiv?
  • Wie schaffe ich den Spagat zwischen Gewinnorientierung und ethischen Werten?
  • Wie kommuniziere ich am besten mit den Mitarbeitern, aber auch mit meinem Management?

5. Fortsetzung

 

"Ich beleuchte unterschiedliche Karrierestufen und immer geht es mir dabei um eine menschliche und respektvolle Führung. Darum ist es auch egal, ob Sie nun in der Gastronomie oder in anderen Unternehmen als Führungsperson arbeiten. Die Managementstrategien und Methoden, die ich Ihnen erläutere, sind für Führungskräfte jeder Branche relevant. Eines ist aber nicht egal: Wir dürfen nicht rackern bis zum Um-fallen. Unsere persönliche Work-Life-Balance ist genauso wichtig wie ein verantwortungsvolles Miteinander. Deshalb widme ich mich diesem Thema in den hinteren Kapiteln. Wie holen Sie das meiste aus dem Buch heraus?Folgendermaßen könnten Sie vorgehen:
 

  1.  Bedenken Sie stets: Nichts ist so, wie es oft erscheint.Wägen Sie alles gut ab.
  2. Überdenken Sie das Gelesene und überprüfen Sie zukünftig Ihre Verhaltensweisen.
  3. Da Sie dabei sind, etwas zu ändern, wirkt das manchmal ungewohnt und macht einen unsicher – aufkommende Zweifel an Ihrem Handeln sind also ganz normal.
  4. Nutzen Sie einfach Ihr Herz und Ihren Verstand und vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl.
  5. Am Ende jedes Kapitels finden Sie das Wesentliche „Auf den Punkt gebracht“ und jeweils eine Erfolgsstrategie.
  6. Am Schluss des Buches stehen dann noch einmal meine 17 Erfolgsstrategien.

 Ein Vorgesetzter hat mir Folgendes beigebracht: „Menschen arbeiten für Menschen.“ Damit hat er den Nagel auf den Kopf getroffen und diese Einführung zusammengefasst.  


Da mein Buch Ihnen Nutzen bringen soll, hoffe ich sehr, die richtigen Worte gefunden zu haben. Folgender Satz meiner Kollegin stimmt mich optimistisch:„Du hast es geschafft, dass ich immer besser in der Lage bin, die Menschen in ihrer Einzigartigkeit zu lassen, zu respektieren und zu führen.“ Sie ist auf dem Weg, eine sehr gute Führungspersönlichkeit zu werden, und ich bin verdammt stolz darauf, so einen Menschen in meinem Team zu haben.

 

Zum anderen werde auch ich unterstützt, weil es eben immer Menschen gibt, die sich für einen starkmachen. Da Sie dieses Buch lesen, danke ich auch Ihnen. Denn es sind die Macher, die uns nach vorn bringen. Dazu gehören Sie ganz bestimmt. Prüfen Sie also alles genau und finden Sie Ihren eigenen „richtigen“ Weg. Dabei wünsche ich Ihnen viel Erfolg, Glück und Gesundheit. Und viel Freude mit diesem Buch. Für Hinweise und Anregungen bin ich Ihnen, lieber Leser, liebe Leserin, sehr dankbar. Nutzen doch einfach meine Homepage www.sylvana-pollehn.de oder meine Fanpage auf Facebook www.sylvana-pollehn.de/facebook. Ihre Sylvana Pollehn".

6. Fortsetzung

 

1. Sie wollen Karriere machen - nichts leichter als das
1.1 Erfolgreich um jeden Preis 

 

„Man erzählt sich, du hättest deinen Posten nur bekommen, weil du mit Herrn M. geschlafen hast. Das ist gut für uns, denn er will demnächst hier Kontrolle machen.“ Vier Augenpaare, zwei hypnotisierend, die anderen herausfordernd, warten auf verräterische Züge in Sandras Gesicht. „Nur nicht anmerken lassen, dass du völlig geschockt bist“, ist der einzige Gedanke, den sie fassen kann. Stocksteif, lächelnd, krampfhaft die Maske tragend, ist sie gefangen – auf ihrem Stuhl, umringt von sensationslüsternen, gierigen Kollegen. Es gibt kein Entrinnen. Ganz ruhig, fast regungslos, hört sie sich sagen: „Wenn sie es erzählen, wird es schon stimmen.“ 
 

Spaß beiseite. Ist das die Erfolgsformel nach der jeder sucht? Antworten darauf gibt es viele, meine finden Sie in diesem Buch. Lassen Sie uns Stück für Stück herausfinden, was nötig ist, um eine reelle Chance auf einem heiß umkämpften Arbeitsmarkt zu haben.

 

Fakt ist, das Sie zuerst ganz genau wissen müssen, ob Sie bereit sind: Wollen Sie wirklich unbedingt Karriere machen? Wozu all den Stress auf sich nehmen? Viel Arbeit, bestimmt mehr als jetzt, wartet auf Sie. Die Verantwortung nimmt zu und das Leben wird unruhiger. Ihr Partner spielt die zweite Geige, dafür rückt Ihr Handy vor. Erreichbar auch im Bett, beim Essen mit Freunden und eigentlich immer und überall. Keiner wird‘s verstehen und Sie sind der Dumme.

 

Das ist Ihnen egal? Sie wollen erfolgreich sein und viel Geld verdienen. Jetzt denken Sie bestimmt: „Aber kann ich das einfach so sagen?“ Warum nicht, das können Sie nicht nur, das sollten Sie sogar. Genau das unterscheidet erfolgreiche Menschen von weniger erfolgreichen. Auch ich musste erst in einer Schulung aufgerüttelt werden: Dort wies man mich darauf hin, dass ich meinen Vorgesetzten klar sagen muss, was meine Pläne sind, denn schließlich können sie die Ziele, die ich habe, nicht erahnen. Und so kam der Stein für mich ins Rollen. Zielsicher und selbstbewusst vertrat ich ab sofort meine Pläne für die Zukunft. Ich erinnerte mich an Dieter Bohlens Worte: 

 

„Vor jedem Erfolg kommt der zehntausendfache Misserfolg. Erfolg ist die Ausnahme, Misserfolg die Regel. Auf dem Weg zum Erfolg wirst du tausendmal fallen, wichtig ist, dass du tausendundeinmal wieder aufstehst. Vergiss das nie!“ Dieter Bohlen, in „Nichts als die Wahrheit“

 

Genauso ist es, werden Sie, genau wie ich, bestimmt denken. Deshalb entwickelte ich meine Erfolgsstrategie.

7. Fortsetzung

 

Und diese soll Ihnen dabei helfen, Ihre eigene zu verfolgen. Eines kann ich Ihnen jetzt schon sagen: Man braucht das Rad nicht neu zu erfinden. Dazu bin ich auch nicht in der Lage. Aber man kann auf Bewährtes aufbauen. 

 

Sie wundern sich vielleicht, dass ich so großzügig mit meinem Wissen hausieren gehe? Schließlich wächst meine eigene Konkurrenz heran und könnte mir zur Gefahr werden. Sie haben recht, das kann passieren. Jedoch nur, wenn ich in meinem stetigen Lernprozess, meiner Arbeitsleistung und der nötigen Aufmerksamkeit gegenüber meinen Mitarbeitern nachlasse. Indem wir kontinuierlich, gemeinsam mit unseren Kollegen, an einer Erfolgsstrategie arbeiten, werden wir viel stärker. Somit wahren wir unseren Arbeitsplatz. Denn kein Unternehmen lässt gute Leute gehen – oder würden Sie das tun? 

 

Worauf kommt es denn nun speziell an, auf dem Weg nach oben?

Ich kann nur jedem raten, seien Sie nicht schüchtern, sondern selbstbewusst. Gerade weibliche Personen stellen ihr Licht gern unter den Scheffel. Das haben sie nicht nötig, sie können genauso viel wie die männlichen. Außerdem ziehen souveräne Menschen andere an. Dieter meint dazu: „Lass dich nie beirren. Lass es nicht zu, dass jemand mit der Nadel in deinen Ballon voller Träume piekst. Schmeißt man dich vorne raus, gehe morgen von hinten wieder rein.“ Das hört sich leichter an, als es ist, ich weiß. Etwas zu wollen ist das eine, es umzusetzen das andere. 

 

Zusätzlich kommt es dabei immer auf das Wie an. Nur wer sich über das freut, was er tut, bringt etwas Anständiges zuwege. Wie wollen Sie durchhalten, wenn Sie nur ein wenig oder gar nicht begeistert sind? In diesem Sinne ist Begeisterung die bestbezahlteste Eigenschaft der Welt. Doch Vorsicht, setzen Sie nie eine Maske auf, seien Sie echt! 

 

Wissen Sie noch, wie bei Ihnen alles angefangen hat?

 Für jeden beginnt die Karriere anders. Ich gehe davon aus, dass Sie Ihre Ausbildung super abgeschlossen haben. Glücklicherweise hat man Ihr Potenzial erkannt und nun befinden Sie sich bereits im internen Entwicklungsprozess fürs Management. Auch wenn Sie längst zur Führungsetage gehören, werden Sie immer wieder auf unerwartete Situationen stoßen. 

 

Im Laufe des Buches gehen wir deshalb systematisch und lösungsorientiert vor. Ich werde Ihnen viele praxisnahe Beispiele geben. Diese sollen Sie anregen und somit Ihre Arbeit erleichtern. Dabei sind die angegebenen Reaktionen als Musterlösung zu sehen, da sich nichts hundertprozentig wiederholen wird.

Sie sind Ihres eigenen Glückes Schmied.

 Was meinen Sie, reicht unser Bauchgefühl immer aus? Damit Sie dies besser beurteilen können, lesen Sie Folgendes:

8. Fortsetzung

 

Es sind immer die anderen!

 

Ein Bekannter von mir hatte hohe Ziele. Er hatte gute Chancen und die Firma bildete ihn aus. Als nun seine Prüfung kam, fiel er durch. Seiner Meinung nach hatten es andere Kollegen nur geschafft, weil diese besser vorbereitet worden waren. Er klagte die Ausbilder an, es ihm nicht richtig beigebracht zu haben. Bei näherer Betrachtung stellte sich aber heraus, dass die anderen viel nachgefragt, sich ihr Wissen regelrecht erkämpft hatten. Sie waren auch nicht der Meinung gewesen, dass Theorie Quatsch sei und das Bauchgefühl ausreiche, so wie sich mein Bekannter einmal geäußert hatte. Man hat ihm daraufhin die Chance zur Wiederholung der Prüfung eingeräumt, aber das Ergebnis reichte trotzdem nicht aus. In diesem Fall meinte er, dass den Prüfern seine Nase nicht gepasst habe. 

 

Schön, wenn es immer die anderen sind, oder?

 

In „Lebe begeistert und gewinne“ von Frank Bettger hat mich folgendes Gedicht von Herbert Kaufmann stark inspiriert. Dieses möchte ich Ihnen gern mit auf den Weg geben:

 

SIEG

 

Wie oft schon hörte ich dich sagen,

Du würdest große Dinge wagen.

 

Wann wohl, glaubst du, kommt der Tag,

Da endet alle Müh‘ und Plag‘,

Da du zu großen Taten schreitest

Und da du selbst dein Schicksal leitest?

 

Und wieder ging ein Jahr vorbei,

Doch nie warst du, mein Freund, dabei,

Wenn‘s galt, nun endlich zuzugreifen,

Damit auch deine Früchte reifen!

 

Woran es liegt? Erklär es nur!

Du hattest Pech? Ach, keine Spur!

 

Wie immer einzig und allein

Lag‘s nur an dir, an dir allein.

Schau auf deine Hände bloß:

Sie liegen still in deinem Schoß,

statt endlich, endlich doch zu handeln

Und alles in dir umzuwandeln.

 

Ich bin der festen Überzeugung, dass Sie alles schaffen, denn wer dieses Buch liest, ist ein Macher. 

9. Fortsetzung

 

Erfolgreich um jeden Preis? 

 

Ich möchte Ihnen folgende Geschichte erzählen:

Eine stolze, übermütige und bekannte Geschäftsfrau trat täglich vor ihren Spiegel und sprach: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Erfolgreichste im ganzen Land?“

Da antwortete der Spiegel: „Sie, meine werte Frau, sind die erfolgreichste Herrscherin hier, aber Schneewittchen, hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen, ist tausendmal erfolgreicher als Ihr.“

Wutentbrannt ersann sie einen gefährlichen Plan. Schneewittchen sollte sterben. Auf dem Weg ins Land der sieben Zwerge begegneten ihr Leute. Da sie verkleidet war, erkannte man sie nicht und so unterhielten sie sich unbeschwert. Alle waren des Lobes voll über ihr Schneewittchen, strahlten und arbeiteten voller Spaß und guter Laune.

 

Sie meinen: Das ist doch nur ein Märchen.

Natürlich, das ist es. Im eigentlichen Märchen der Gebrüder Grimm ging es der Königin darum, die Schönste im Land zu sein. Und sie gab nicht auf, bis Schneewittchen endlich tot war.

Aber Märchen gehen doch immer gut aus?

 

Hören Sie das Ende aus den Gebrüder Grimm:

Ein Königssohn rettete Schneewittchen und die beiden verliebten sich. Eines Tages wurde die Königin zu einem Hochzeitsfest geladen. Nachdem der Spiegel ihr nun sagte, dass die junge Königin, tausendmal schöner sei als sie, „stieß das böse Weib einen Fluch aus, und es ward ihr so angst, so angst, daß sie sich nicht zu lassen wußte. Sie wollte zuerst gar nicht auf die Hochzeit kommen; doch ließ es ihr keine Ruhe, sie mußte fort und die junge Königin sehen. Und wie sie hineintrat, erkannte sie Schneewittchen, und vor Angst stand sie da und konnte sich nicht regen.

 

Da ward sie vor Schrecken so häßlich, so häßlich, kein Mensch mochte sie mehr ansehen, und sie mochte selbst nicht mehr in den Spiegel schauen. Da lief sie davon in den großen wilden Wald hinaus, und hat kein Mensch mehr sie gesehen und weiß, was aus ihr geworden ist.

Schneewittchen aber lebte glücklich mit dem Prinzen, und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie heute noch."

 

Passen Sie auf Ihren Spiegel auf!

Alles wird sich im Leben irgendwann rächen, alles, und deshalb müssen wir beizeiten dafür Sorge tragen, dass unser Spiegel nicht zerspringt. Wir müssen niemanden angreifen oder zunichtemachen, nur weil er erfolgreicher ist, aber wir können lernen. Lernen, wie es geht, ein erfolgreicher, menschlicher und glücklicher Boss und kein Herrscher zu sein. Das ist das i-Tüpfelchen unseres Wollens.

10. Fortsetzung

 

Erfolgreich sein. Glücklich sein.

 

Glauben Sie bitte nicht, die hier vorgestellen Methoden seien die einzig richtigen und nur meine Praxis habe sich bewährt. Nein, aber ich merke täglich, wie anspruchsvoll dieses Unterfangen ist. Deshalb arbeite ich hart daran. Ich experimentiere und begreife ständig mehr. Dabei ist mir Folgendes klar geworden:
 

Erfolgreich zu führen, kann man lernen. 

Menschlich zu leiten, muss man lernen. 
 

Halten Sie durch, besonders dann, wenn Ihnen missmutige Kollegen den eingeschlagenen Weg schlechtreden wollen. Es kostet mich oft viel Energie, nicht davon abzuweichen. Aber der Erfolg gibt mir Kraft und zeigt mir, dass ich richtig liege. 

 

Was stellen wir uns eigentlich unter Erfolg vor? Ständig reiten wir darauf herum und was meinen Sie, steht im Synonymwörterbuch (Dudenverlag) tatsächlich? Unter dem Stichwort „Erfolg“ findet man dort unter anderem: Gedeihen, Gelingen, Karriere, Platz an der Sonne, Sieg, Triumph, Glück. Als erfolg-reich gilt: ergebnisreich, sieggewohnt, siegreich, (bes. österr.): zielführend, glücklich.

 

Sehr erstaunt war ich, als ich das las. Es steht also nirgends, Erfolg bedeute, selbst unglücklich zu sein oder andere unglücklich zu machen. Nein, das Gegenteil ist der Fall. Wissen das viele vielleicht gar nicht?

 

Seien Sie mit ganzem Herzen bei Ihrer Arbeit, und der Erfolg ist nicht aufzuhalten und ganz nebenbei stellt sich auch noch das Glück ein. Aber passen Sie auf sich auf und rackern Sie nicht bis zum Umfallen. 

 

Ganz wichtig: Ihre Work-Life-Balance. 

Am Beispiel einer jungen Chefin möchte ich auf diese Thematik eingehen: „Ständig muss ich alles allein machen und die Arbeit hört nie auf“, fuchtelt Kathleen genervt mit den Armen. „Aber du hast doch Mitarbeiter, wieso verteilst du denn nicht ein paar Aufgaben?“ Mir war schon seit längerer Zeit aufgefal-len, dass sie sehr gereizt und völlig überdreht war. „Die machen alles falsch, ich muss sie nur kontrollieren und mein eigener Vorgesetzter meckert auch nur herum. Ich weiß gar nicht mehr, was ich zuerst machen soll“, jammert sie. Bisher empfand sie ihre Arbeit nie als Belastung, doch momentan war sie ihr anscheinend nicht mehr gewachsen. 

11. Fortsetzung

 

Kathleen ist nicht die Einzige, der es so geht.

 

Laut einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung und des Schweizer Instituts sciencetransfer leiden 70 Prozent der befragten Manager erkennbar unter dauernder psychischer und physischer Erschöpfung.

 

Die Hälfte von ihnen hat während der Arbeit keine Möglichkeit, sich zu regenerieren. Erholung findet nur noch an den Wochenenden statt – wenn überhaupt. 20 Prozent der Befragten haben nur sehr wenig oder gar keine Zeit mehr für Familie oder Freunde.

 

Prävention (Vorbeugung, Verhütung) muss viel früher ansetzen, meinen die Wissenschaftler. Mitarbeiter müssen wieder lernen, sich zu erholen. Unternehmen müssen erkennen, dass Leistung und Erholung sich abwechseln müssen und dass es nicht ausreicht, ein leistungsförderndes Umfeld zu schaffen, sondern dass auch ein erholungsförderndes Umfeld wichtig ist.

 

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass viele Manager schon tief in der Burn-out-Falle stecken und sich in einem Stadium befinden, in dem es sehr schwer ist, ohne Hilfe und massive persönliche Veränderungen der Abwärtsspirale zu entkommen“.

Darüber informiert die Internetseite www.burnout-info.ch. 

 

 

Ich weiß, Ihnen und mir wird das nicht passieren, wir passen schon auf uns auf, oder?

Aber Fakt ist, dass es Kathleen bis heute nicht besser geht. Sie begreift auch nicht, was da mit ihr passiert. Sicher braucht sie professionelle Hilfe, da sie es allein nicht in den Griff kriegt.

Wie es endet – wer weiß?

 

Damit es gar nicht erst dazu kommt, habe ich in den hinteren Kapiteln wichtige Fakten und erprobte Gegenmittel für Sie zusammengestellt.